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Berlin (dpa) - Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) sieht nach dem Fund von zwei weiteren mit Vogelgrippe infizierten Katzen auf Rügen eine "potenzielle Gefahr" für den Menschen.
Anfang vergangener Woche war erstmals in Deutschland bei einer auf Rügen
verendeten Katze das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen worden.
"Das heißt, dass das Virus diese Schranke zum Säugetier
jetzt nicht nur in einem Einzelfall, sondern mehrfach überwunden
hat. Damit ist die Vogelgrippe deutlich näher an den Menschen gerückt",
sagte er am Dienstagabend in der Fernsehsendung "Münchner
Runde" des Bayrischen Rundfunks (BR).
Jetzt zeige sich, wie "bitter notwendig" die jüngst
angeordneten Maßnahmen zum Schutz der Haustiere gewesen seien.
Nach der Stallpflicht für alles Federvieh dürfen seit vergangenem
Wochenende auch Hunde und Katzen in Vogelgripperegionen nicht mehr frei
herumlaufen. Im engeren Umkreis dürfen Fremde keinen Stall mehr
betreten. "Im Zweifel plädiere ich mit allen Konsequenzen
für die Sicherheit", sagte Seehofer. "Bislang ist noch
kein Fall bekannt, wo etwa eine Katze einen Menschen infiziert hat.
Und ich möchte nicht der erste sein, der einen solchen Fall bekannt
geben muss."
Rund drei Wochen nach den ersten Vogelgrippefunden in Deutschland wiesen
Seuchenexperten das Virus bei rund 170 Wildvögeln in sechs Bundesländern
nach. Die deutschen Bauern forderten Bund, Länder und die EU zu
finanziellen Hilfen nach wirtschaftlichen Einbußen wegen der Vogelgrippe
auf. "Es ist eine äußerst schwierige Marktlage",
sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner in Berlin. "Die Geflügelwirtschaft
ist massiv betroffen."
Geflügelbestände sind in Deutschland bislang von der Tierseuche
verschont geblieben. Das Vogelgripperisiko für Nutzgeflügel
ist nach Expertenansicht aber groß. "Ich schätze die
Gefährdung relativ hoch ein", sagte der Leiter des Veterinär-Instituts
Oldenburg, Prof. Günter Thalmann.
Polen bestätigte unterdessen einen dritten Vogelgrippefall bei
einem toten Schwan. In Nigeria breitete sich die Tierseuche auch auf
Geflügelbetriebe im Süden des Landes aus. Die betroffenen
Bestände würden gekeult und die Betriebe desinfiziert, teilte
das nigerianische Veterinär-Forschungsinstitut mit. Alle drei Katzen,
die sich in einem österreichischen Tierheim mit der Vogelgrippe
angesteckt hatten, haben die Infektion inzwischen überwunden.
Seehofer forderte, die Koordination der Maßnahmen im Kampf gegen
das Virus müsse beim Bund liegen. "Ich will keine Neuauflage
der Föderalismusdebatte, aber es muss klare Kompetenzen geben",
sagte der CSU-Politiker nach BR-Angaben. "Die strategischen Zielsetzungen
und die grundsätzlichen Dinge müssen zentral geordnet werden."
Das Virus sollte verstärkt erforscht werden. "Weltweit gibt
es noch gewaltige Wissenslücken."
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