»Zurück zur Gesundheitsübersicht«
Berlin/Riems (dpa) - Hauspflicht für Katzen, Hunde an die Leine: Nach dem ersten Vogelgrippefall bei einem Säugetier in Deutschland gelten verschärfte Schutzmaßnahmen für Haustiere in Sperrgebieten. Darauf einigten sich Bund und Länder am Mittwoch bei einer Konferenz des Nationalen Krisenstabes für Tierseuchen.
Für Katzen in Vogelgrippe-Sperrzonen gilt künftig Hauspflicht
Am Vortag war die H5N1- Infektion einer Katze auf der Insel Rügen bekannt geworden. Experten sehen dadurch allerdings kein größeres Risiko. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lässt sich nach Angaben von Regierungssprecher Thomas Steg kontinuierlich über die Entwicklung informieren.
Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth, sagte, durch die Infektion bei der Katze gebe es für Fachleute keine neue Gefahrenlage. "Wir haben in den letzten Wochen ein relativ großes Katzensterben im Irak beobachtet auch durch H5N1", erläuterte Kurth im ZDF-"Morgenmagazin". Insofern sei der Fund der toten Katze auf Rügen etwas früh gekommen, aber nicht überraschend. Bereits 2004 sei der Ausbruch der Krankheit bei Katzen in Asien beobachtet worden.
Der Deutsche Tierschutzbund warnte vor Panikmache. Ein bundesweiter Hausarrest für Katzen oder auch Hunde sei nicht angemessen, teilte der Tierschutzbund in Bonn mit. Halter sollten aber in Vogelgrippe-Gebieten genau auf ihre Tiere achten. Ein Impfen von Haustieren halten Bund und Länder nicht für ein Option. Derzeit gebe es weder einen geeigneten Tierimpfstoff, noch hätten die Grippeschutzimpfungen beim Menschen eine Wirkung gegen das Virus H5N1, teilte das Bundesagrarministerium mit.
Nach Behördenangaben war die Katze von Rügen ein Streuner mit wenig Kontakt zu Menschen. Ob sie mit dem aggressiven Asia-Stamm des Vogelgrippevirus H5N1 infiziert war, an dem in Asien auch Menschen erkrankten und starben, wurde am Mittwoch noch untersucht. Der Halter der Katze zeigt keine Anzeichen einer Grippe-Erkrankung. Bei einer ersten Untersuchung habe ein Arzt keine Symptome festgestellt, sagte eine Sprecherin des Krisenstabs der Landesregierung in Schwerin. Der Mann stehe aber weiter in Kontakt mit dem Gesundheitsamt und werde ärztlich überwacht. Den infizierten Kater habe er noch nicht lange gehabt. Das Tier sei ihm erst vor einiger Zeit zugelaufen.
Bayern und Baden-Württemberg hatten bereits nach Bekanntwerden der Infektion der Katze die Vorsorgemaßnahmen verschärft und eine Hauspflicht für Katzen sowie einen Leinenzwang für Hunde in den Sperrbezirken erlassen. In den Beobachtungsgebieten werden diese Maßnahmen empfohlen. Außer diesen beiden Ländern hatten bis zum Mittwoch Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Vogelgrippefälle gemeldet. Als neunter Staat der Europäischen Union (EU) hatte Schweden am Dienstag die Tierkrankheit festgestellt. Auch am Schweizer Bodenseeufer gibt es seit Mittwoch einen Verdachtsfall.
Die Ausbreitung der Tierseuche ist nach Angaben von Vogelkundlern noch immer rätselhaft. "Ich habe den Eindruck, das Virus schlummert schon an verschiedenen Stellen und bricht unter Bedingungen aus, die wir noch nicht ganz durchschauen", sagte der Leiter des Max-Planck- Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee, Wolfgang Fiedler, der Wochenzeitung "Die Zeit".
Das Vogelgrippevirus hat sich nach Angaben des Direktors des Instituts für Tierseuchen an der Freien Universität Berlin, Professor Lothar Wieler, in der Vergangenheit mehrfach verändert. "Bislang sind in den letzten Jahren drei Mutationen gefunden worden", sagte Wieler dem Nachrichtensender n-tv. Diese hätten sich in den vergangenen Jahren aber nicht mehr verändert. "Es ist zurzeit nicht davon auszugehen, dass das Virus, das in der Vogelpopulation ist, eine größere Gefahr für den Menschen oder für andere Tiere darstellen würde, als wir bisher meinen", betonte er.
RKI-Präsident Kurth hält die Maßnahmen im Kampf gegen die Vogelgrippe für ausreichend. "Aus den Pannen haben die betroffenen Stellen gelernt", sagte Kurth im "Morgenmagazin". Auch er empfahl, Katzen in Sperrgebieten im Haus zu halten und Hunde an der Leine zu führen. Kurth warnte vor Panik mit Blick auf eine mögliche weltweite Grippe-Epidemie bei Menschen. "Wir sind besser vorbereitet als jemals zuvor." Eine Infektionskette unter Menschen gab es bisher nicht.
Seit Dezember 2003 wurden laut Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit 173 Infektionen bei Menschen bekannt, 93 Patienten starben. Es ist keine Ansteckung bei Wildvögeln oder Säugetieren dokumentiert.
Quelle: DPA»Zurück zur Gesundheitsübersicht«