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Krankheiten sind bei Katzen ein ernstes Thema, genetisch bedingte sowieso. PKD, die polyzystische Nierenerkrankung, wird dominant vererbt. Züchter von Rassetieren können solche Probleme äusserst hart treffen, wenn sie Pech haben und vielleicht eine ganze Zuchtgruppe auseinander fällt. Käufer betroffener Zuchtkatzen verlieren eine Menge Geld und oft genug ein geliebtes Tier! Züchten tut man ja nicht nur mit "Männchen" und "Weibchen", man stellt bevorzugte Linien oder Zuchtstämme zusammen.
Genetische Defekte können harmlos sein, ein Tier muss nicht darunter leiden, es ist jedoch zur Weiterzucht trotzdem ungeeignet. Dazu gehört zum Beispiel das Schielen der Siam- und Orientalischen Rassen, der Knickschwanz oder ein schiefes Gebiss. Solche Deformationen merzt man durch Selektion aus, sie sind sichtbar und man kann mit Kastration reagieren. Andere Defekte behindern ein Tier mehr oder weniger, zum Beispiel die Haarlosigkeit der Sphynx, Taubheit bei weissen Katzen oder zu kleine Nasenlöcher bei den Persern. Man kennt noch weitere, schwerwiegende und krankmachende Missbildungen: Gaumenspalten, Skelettmissbildungen, Hornhautablösung, Herzfehler und einiges mehr. Viele dieser Probleme treten nur oder vermehrt bei Rassekatzen auf, was schon manchen Züchter entmutigt hat. Selbstverständlich sind "ausserrassige Beziehungen", die unzähligen Mischlinge und Varianten, keine Ausnahmen! Gemeint ist die "gemeine Hauskatze", die von vielen Defekten verschont bleibt.
Problematisch sind Krankheiten oder Mängel, die rezessiv, das heisst, verdeckt weitervererbt werden. Ein leicht verständliches Beispiel ist der Knickschwanz. Treffen zwei augenscheinlich einwandfreie Tiere aufeinander, die Träger sind, werden sie einen Teil des Nachwuchses mit dem unerwünschten Makel hervorbringen. Das muss nicht gleich bei der ersten Verpaarung passieren, was bedeutet, unentdeckte Träger drängen zur Vermehrung! In einem solchen Fall ist der "Schuldige" weder der Kater, noch die Kätzin, es sind beide beteiligt " eine Tatsache, die man gerne ignoriert und dem Kollegen in die Schuhe schiebt: "Meine Katze hatte noch nie Knickschwänze im Wurf"! Rezessive Erbfolgen unterliegen dem Zufallsprinzip. Soweit eine kleine Einführung in die "Wunder" der Genetik!
PKD Gentest aus den USA
Das ist der Lichtblick, auf den viele Züchter weltweit gewartet haben. Stimmt das auch" Oder eher: Befürchtet haben" PKD (polycystic kidney disease) ist eine Nierenerkrankung, bei der sich in den Nieren Zysten bilden. Polyzystische Nieren entwickeln sich durch ein einziges beschädigtes Gen, ein pathologischer Erbfaktor entwickelt diese Zysten. Die Katzen sind von Geburt an krank! Reinerbig positive Tiere (von jedem Elternteil eine beschädigte Kopie) wurden bis jetzt noch nicht entdeckt: sie scheinen im embryonalen Zustand abzusterben. Im schlimmsten Fall zerstören die Zysten dieses lebenswichtige Organ, was natürlich zum Tod führt. Man kennt Fälle, bei denen keine Symptome auftreten und die Katze vielleicht an Altersschwäche stirbt. Kein Grund also zur Panikmache, wir haben das "Glück" der dominanten Vererbung und jetzt des genetischen Nachweises dieser Erkrankung. Jedem seriösen Züchter, bei dem die Zucht von gesunden Tieren erste Priorität hat, wird ein Stein vom Herzen fallen. Das Restrisiko, auf welches wir von Radiologen bei der Ultraschall-Untersuchung hingewiesen wurden, gehört der Vergangenheit an! Ein PKD negatives Tier wird in Zukunft auch ein solches bleiben, kein Käufer muss bei seiner erwachsenen Katze die "schleierhafte" Diagnose "PKD" befürchten! Es liegt an uns Züchtern, die Chance, eine Erbkrankheit unserer Katzen durch ehrliche Rassekatzenzucht zu besiegen! Wir haben die Möglichkeit, seriöser Arbeit einen Namen zu geben: "Meine Zuchttiere sind im DNA-Test PKD frei"! Hobbyzucht, liebevolle Aufzucht in der Familie, wunderschöne Homepages und viel schmusiges mehr, werden nicht mehr die allein selig machenden Verkaufsargumente sein! Besorgte Züchter haben seit Jahren Leukose freie Katzen, das soll jetzt bei der PKD ein neues Ziel für uns sein! Auch wenn man schlussendlich die Tests vorerst nach Amerika schicken muss. Wir "Alten" haben früher unsere Leukosetests auch in Holland machen lassen!
Früherkennungskampagne in Frankreich
PKD birgt keine Ansteckungsgefahr wie Infektionskrankheiten, zum Beispiel FIP, die nach wie vor ihre traurigen Opfer fordert! Falsche Informationen, Unehrlichkeit und Verharmlosung sind menschliche Schwächen, die der FIP nach wie vor Tür und Tor (im wahrsten Sinn des Wortes), öffnen! Wie viele Zuchttiere aus "Risikogruppen" werden zum Decken hin und her geschoben, oder Jungtiere zur Zucht verkauft" Das PKD-Problem ist schon lange bekannt. Im Frühjahr 1999 schwappte via Deutschland eine Welle aus den USA zu uns herüber! Man wollte wissen, was das auf sich hat mit diesen Nieren und machte sich, bei uns in der Schweiz, auf nach Zürich oder Bern zum Ultraschall! Ich selber habe, als Perser-und Exotic Züchterin, den schlimmsten Tiefschlag erlitten, der einen treffen kann " meine Exotic Zuchttiere waren positiv " also kastrieren! Es ist unglaublich und nicht zu schildern, wie von manchen Züchtern manipuliert, dementiert und der Kopf in den Sand gesteckt wurde. Wie dem auch sei, es war für viele unendlich schwer, sich aufzuraffen und weiter zu machen. Prominente Züchter, die ihre Katzen für viel Geld in alle Welt verkaufen, haben noch nie ein Ultraschallgerät an ihre Zuchttiere heran gelassen! Die Devise lautete: "Wir wollen sicher sein und warten auf einen DNA-Test! Vielleicht übersieht man ja etwas"! Amerika versprach ja sogleich, nach einem Gentest zu forschen. So, nun ist er da und die Krankheit, die geschlechtsungebunden (autosomal) dominant durch nur ein Gen vererbt wird, kann mit einem Test nachgewiesen werden!
In Davis, an der Universität von Kalifornien, haben Dr. Leslie Lyons und ihr Forscherteam das verantwortliche Gen isoliert und diesen Test zur Früherkennung entwickelt. An über 500 Katzen konnte man die Tauglichkeit bestätigen. Festgestellt wurde ein Befall von 10 bis 50% bei verschiedenen Rassen, vorzugsweise Perser, Exotics, Colourpoints, American " und British Kurzhaar, Scottish Folds, Burmillas, Maine Coons, Ragdoll. Interessant ist eine der ersten Dokumentationen über PKD (1966) bei Siamesen, die heute keine grosse Rolle spielen. Intensiv geforscht wurde ab 1990. Manche werden nun vor Betroffenheit erblassen, denn jetzt gibt es kein Argument mehr, auf etwas Besseres zu warten, um sich weiterhin zu drücken! Praktisch vom ersten Tag an kann getestet werden, denn die Zysten bringt das Neugeborene als unerwünschtes Geschenk mit! Bis anhin musste man mindestens bis zum ersten Lebensjahr warten, um die Zysten beim Ultraschall auch sicher zu erkennen. Ein Aufwand, den nicht alle auf sich nehmen konnten und lieber auf ein noch so tolles, käufliches Zuchttier verzichteten.
Für den Ultraschall an der Universität Zürich waren PD Dr. Markus Flückiger und Dr. Olivier Gardelle unsere Helfer der ersten Stunde. Einige Tierärzte in der Schweiz und solche aus Deutschland wurden in Zürich in diese schwierige und verantwortungsvolle Arbeit eingeführt. Das PKD-Problem konnte durch Ultraschall bei einsichtigen Züchtern unter Kontrolle gebracht werden. Leider wurden auch in Zürich nur vorwiegend Perser und Exotics geschallt. Wenige Züchter anderer Rassen folgten dieser Untersuchung. Wie es die Vermehrer der "Stammbaumlosen" halten, dürfte kein grosses Rätsel sein!
DNA-Test bei Antagene in Frankreich
"Antagene" ist ein biotechnisches Labor in Limonest, das sich auf Recherchen und Analysen von DNA-Tests bei Tieren spezialisiert. Vorsorge und Früherkennung von genetisch bedingten Krankheiten werden von diesem wissenschaftlichen Team erforscht, Katzen, Hunde und wilde Tiere.
In Zusammenarbeit mit der University of Davis, Kalifornien, unter der Leitung von Leslie Lyons, kann der PKD-Test bei obligatorisch gechipten oder tätowierten Katzen über "Antagene" gemacht werden. Es wurde eine Früherkennungskampagne in Frankreich und Europaweit gestartet. Man bekommt das Testmaterial zugeschickt, pro Tier ein Fläschchen mit Ethanol und ein "Mini-Flaschenbürstchen" zur Gewinnung von Zellmaterial im Mundbereich. Es ist kein Speicheltest und kein Bluttest! Abstriche werden vom Tierarzt gewonnen, das Material kann selber zu "Antagene" geschickt werden. Eine genaue Beschreibung des Vorgangs liegt in englischer oder französischer Sprache bei. Die Resultate liegen etwa Ende Sommer aus der Kalifornischen Universität vor. Ende Jahr kommt der Test in den USA kommerziell auf den Markt und wird zwischen 50 und 100 Dollar kosten!
Ab September wird die PKD-Test-Aktion von Antagene nochmals wiederholt! Der DNA-Identifikationstest (Elternnachweis!) ist bis 30. September 2004 zum Preis von 30 Euro verlängert worden.
Informationen und Testmaterial:
http://www.antagene.com
Tel: 0033 4 37 49 90 03 / Fax: 0033 4 37 49 04 89
Postadresse:
ANTAGENE
Immeuble Le Meltem 2
Allée des Séquoias
69760 Limonest, FR
E-Mail:
Ihousais@antagene.com - antagene@antagene.com
Quellennachweis: "Antagene", diverse Internetberichte, Laborauskünfte.
Was bedeutet das für die Züchter?
Wir haben lange auf diesen Gen-Test gewartet, weil Irrtümer endlich sicher ausgeschlossen werden können. Die Katzen müssen gechipt oder tätowiert sein. Diese Nummer wird mit allen Daten der betreffenden Katze auf den Testunterlagen aufgeführt und dem Eigentümer mit dem Resultat zugeschickt. Es gibt keine Möglichkeit zu manipulieren, bei der Gewebeentnahme durch den Tierarzt werden die Daten aufgenommen und im Testformular eingetragen. Keiner wird diese bittere Enttäuschung mehr erleben müssen: Aus (angeblich) negativ geschallten Eltern erhält man ein positives " sprich mit Zysten befallenes " Kätzchen! Auf rätselhafte, folgenschwere und unlautere Weise vorhanden, mussten nicht wenige Züchter " und Katzenliebhaber - diese bittere Diagnose verschmerzen!
Die Kontrolle durch Ultraschall hat viel Unheil vermieden, trotzdem hatte man immer ein ungutes Gefühl im Bauch. Der Aufwand und die Umstände, mit der zweiten und dritten Generation zur Nachkontrolle zu gehen, wurde langsam für viele zur Belastung. Viel Zeit und Geld wurde für eine "saubere" Nachzucht investiert, es hat sich aber gelohnt. Unzählige Katzen, das wissen wir alle, wurden niemals geschallt, die Zucht lief ungesehen weiter".
Der DNA-Test kommt uns allen sehr zugute, bei einem geringen Aufwand. Kauft man in Zukunft ein Jungtier, kann man den Test vom Verkäufer verlangen, die Kosten auch selber übernehmen. Stammt die Katze aus Gen-getesteten Eltern, ist ein Test des Jungtieres überflüssig! Die Entnahme des Zellmaterials durch einen Tierarzt ist der einzige Umtrieb für den Züchter, Postversand inklusive! Von keinem negativen Elternpaar muss in Zukunft die Nachzucht getestet werden! Durch den Chip und die genauen Daten der Katzen, kann nicht mehr "gemogelt" werden! Das Testergebnis wird mit den Daten der Katze jedem Besitzer zugeschickt und ist ein Dokument, das eindeutig das Ergebnis mit der entsprechenden Katze identifiziert. Wer weiterhin blauäugig und leichtfertig eine ungetestete Zuchtkatze einsetzt oder kauft, leistet dem Betrug (laut Tierschutzgesetz haben Zuchttiere und deren Nachwuchs ein Recht auf ein gesundes Leben!) bewusst Vorschub! Durch verantwortungsvolles Verhalten kann auch der sinnlosen Vermehrung ein Riegel geschoben werden, Käufer tun gut daran, sich genau zu informieren! Wir sollten unsere Katzen nicht nur lieben, wir müssen auch ihre Gesundheit respektieren! Die Gelegenheit, das zu beweisen, wird uns nun geboten. Wie die Vereine damit umgehen, wird sich zeigen, Zivilcourage und Entschlossenheit heissen die Zauberwörter!
Nutzen wir die Chance, eine genetisch bedingte Krankheit, die sich dominant weitervererbt, bei unseren Katzen mit diesem Gen-Test auszumerzen. Seine Katzenzucht in Zukunft als "genetisch rein" anzupreisen, ist kein Qualitätsnachweis mehr! Durch den DNA-Identifikations-Test können zweifelhafte Verpaarungen nachgewiesen werden, es wird schwer werden, nach Erklärungen zu ringen!
Bei diesen neuen Testmöglichkeiten wegzusehen oder die Nase zu rümpfen, wäre wohl der Arroganz der Wissenschaft gegenüber des Guten zu viel! Es darf nicht länger nur gejammert, beschuldigt und auf Kosten der Katzen "gearbeitet" werden. Wir müssen uns darauf besinnen, dass der Kommerz "Rassekatzenzucht" entschärft wird und wir die Möglichkeiten, die uns geboten werden, im Sinne seriöser, menschen- und tierfreundlicher Katzenzucht wahrnehmen. Vielleicht gelingt es uns damit, das Image der Katzenzüchter " wenigstens ein wenig " aufzupolieren".
Marga Speck
Redaktion "Tierwelt" Katze
http://www.int-rcc.de/aktuell.htm
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